Swasiland-Reise im Februar 2014

16. - 23. 02. 2014

Teilnehmer: Dr. Magdalene Budach + Ernst Engel

Vom 16. bis 23. 02. 2014 haben Dr. Magdalene Budach (ärztliche Leiterin des Projekts MobiDiK), Ernst Engel (Vorsitzender der THOMAS ENGEL-Stiftung) und ich (Gerhard Grotz) das MobiDiKProjektgebiet in Shiselweni, der abgelegensten Region Swasilands, besucht und dort viele Gespräche mit anderen Hilfsorganisationen und den ehrenamtlichen Helferinnen an den Neighbourhood Carepoints (NCPs) führen können, um einen Überblick über die aktuelle Situation zu bekommen. Bei jedem Besuch in den letzten Jahren war es sehr beeindruckend zu erleben, wie verantwortungsbewusst und engagiert die ehrenamtlich tätigen Frauen in den NCPs mit den Kindern arbeiten und umgehen. Es herrscht ein freundlicher und zugewandter Ton. Seit Jahren kommen sie täglich in die NCPs, um dort die Aids-Waisen und Halbwaisen zu betreuen und für sie zu kochen, ohne dass sie dafür einen Cent erhalten. Die meisten dieser Frauen leben unterhalb der Armutsgrenze (in Swasiland umgerechnet 60 Cent pro Tag) und strahlen dennoch im Umgang mit den Kindern Optimismus und Freundlichkeit aus.

kinder swasiland

Nach wie vor ist die Ernährungssituation in den NCPs angespannt. Das Maismehl, das vom “World Food Programme” geliefert wird, wird knapper und auch die Ernte wird dieses Jahr aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse deutlich dürftiger ausfallen – darunter leiden auch die Communities (Dörfer), die die NCPs mit Nahrungsmitteln unterstützen. Die Gemüsegärten, die schon viele NCPs auf ihren Grundstücken angelegt haben, sind angesichts dieser Situation nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein Problem ist auch das Wasser, das in großen Tanks neben den NCPs gesammelt wird, aber nicht ausreicht, so dass oft Wasser aus den verschmutzten Flüssen geholt werden muss. Hier suchen wir noch nach einer Lösung. Trotz dieser deprimierenden Rahmenbedingungen gibt es aber auch Erfreuliches zu berichten. Durch die großzügige finanzielle Unterstützung des Rotary-Clubs St. Goarshausen-Loreley (zusammen mit dem slowakischen Rotary-Club Martin und dem Rotary Club Mbabane in Swasiland) ist im Rahmen des Global Grant- Projektes des internationalen Rotarier-Verbandes der Kauf eines weiteren Ambulanzfahrzeugs geplant und wird demnächst sehr wahrscheinlich erfolgen. Somit kann der Großteil der bestehenden NCPs in Zukunft kontinuierlicher medizinisch betreut werden. Zudem führten wir während unseres Aufenthaltes Bewerbungsgespräche mit Krankenschwestern bzw. Krankenpflegern und haben seit April für beide Krankenwagen zwei Teams (nämlich jeweils eine/n Krankenschwester/pfleger und eine/n Krankenschwesterassistenten/ in).

Auch die Versorgung mit Medikamenten hat sich deutlich verbessert, da der Staat die Kosten für viele Medikamente übernehmen will. Außerdem sind die dringend notwendigen Testungen der Kinder (und der Erwachsenen in den Communities) auf HIV, die wir in Zusammenarbeit mit der norwegischen Organisation NATTIC durchführen, seit einigen Monaten angelaufen und können durch das zweite Ambulanzfahrzeug ausgeweitet werden. In diesem Jahr gab es bis Ende Mai nur 4 positiv getestete Kinder (von 776 Testungen) und auch die Zahl der infizierten Erwachsenen ist erfreulicherweise verhältnismäßig gering (60 positiv von 914 getesteten). Es gab sogar einen Fall, bei dem eine infizierte Mutter drei gesunde Kinder geboren hat. Bei den Testungen, die wir beobachtet haben, fiel uns auf, dass sich zunehmend auch Männer testen lassen – eine sehr positive neue Entwicklung. Vor den Testungen wird ausführlich informiert und nach einer Testung mit schlechtem Ausgang finden sofort Beratungsgespräche statt.

Bei unseren Besuchen in den NCPs konnten wir wieder feststellen, wie groß der Bedarf an medizinischer Betreuung ist, da die staatlichen “Clinics” für kleine Kinder und verletzte oder schwer kranke Erwachsene kaum zu erreichen sind. Sämtliche Grundimpfungen, Entwurmungen und Vitamingaben, regelmäßiges Wiegen und Untersuchen der Kinder werden von unseren Krankenschwestern durchgeführt. Vor Ort beschlossen wir, bis zum nächsten Besuch im August dafür zu sorgen, dass zusätzlich Blutzuckermessgeräte, Erste-Hilfe-Sets, faltbare Untersuchungsliegen, Einmal-Handschuhe und anderes medizinisches Zubehör beschafft werden, dazu ein Paravent, damit die Untersuchungen nicht mehr vor aller Augen stattfinden müssen (Der eine Raum des NCP ist gleichzeitig Warte- und Behandlungszimmer). Geplant sind auch Fortbildungsveranstaltungen für die ehrenamtlichen Betreuerinnen zu den Themen “Umgang mit Verletzungen und Verbrennungen, kleineren Unfällen, Schlangenbissen (= Erste Hilfe), Hygiene- und Gesundheitserziehung”.

urkunde patenschaft

Gut angelaufen ist der Aufbau von Patenschaften zwischen einzelnen NCPs und deutschen Kindergärten. Zwei solcher Patenschaften (NCPs Daivis und Mantongomane) wurden „eingeweiht“ – vier weitere Patenschaften sind in Vorbereitung und können eventuell ab August beginnen. Neben einem regelmäßigen Briefkontakt sollen die betreffenden NCPs von ihren deutschen Paten-Kitas Geldspenden bekommen, mit denen sie die Dinge besorgen können, die sie für absolut notwendig halten. Als Wünsche wurden in den NCPs, die wir besucht haben, vor allem Geschirr, Kleidung für die Winterzeit, Spiel- und Lernmaterial (fast alle Kinder dort besitzen keinerlei Spielsachen) genannt, zudem Salz und brauner Zucker, um dem Einheitsessen „Maisbrei“ ab und zu etwas Geschmack zu verleihen.

Deprimierend war unser Besuch bei einer 52-jährigen, kranken Witwe, die mit ihren beiden Töchtern (12 und 13 Jahre) in einer langsam verfallenden Rundhütte aus Lehm lebt. Ihr vor zehn Jahren verstorbener Mann hatte mit dem Bau einer Steinhütte begonnen, ein Teil der Grundmauern steht schon, aber seit seinem Tod hat die Witwe kein Geld und kein Material, um weiterzubauen. Wir haben Hilfe zugesagt, damit diese Familie überleben kann. Im Laufe unseres Besuches führten wir Gespräche mit Vertretern von UNICEF, Ärzte ohne Grenzen und den Rotariern in Swasiland, um die Zusammenarbeit weiter zu verbessern und zu intensivieren. Frau Dr. Budach hospitierte einen Tag in einer staatlichen Krankenstation (Clinic), um sich ein realistisches Bild vom Alltag der Krankenschwestern dort (Ärzte gibt es nicht) zu verschaffen.

Gerhard grotz

Bei unseren Besuchen in den NCPs überreichten wir den Ehrenamtlichen ein zweisprachiges Bilderbuch auf Englisch und siSwati, das von zwei Swasi-Mitarbeitern von MobiDiK übersetzt wurde. Am 22. 02. 2014 stand noch ein Fußballturnier auf dem Gelände der Jericho High School an. Dort soll im Laufe der nächsten Monate ein „Ministadion“ (für Fußball, Volleyball und Netzball) gebaut werden – in einer Region, die wenig erschlossen ist und in der über 85 % der jungen Generation arbeitslos sind. Finanziert wird dieses Ministadion durch die THOMAS ENGEL–Stiftung aus Spenden von Sportvereinen und –verbänden. Der Regierungsvertreter aus Swasiland sagte eine finanzielle Mitbeteiligung zu und verwies darauf, dass dieses Stadion als ein Pilotprojekt angesehen wird und zwei weitere Projekte dieser Art in Planung seien. Insgesamt war unser Besuch nützlich, wir konnten Impulse geben und uns davon überzeugen, dass die Spendengelder sinnvoll verwendet werden und bei den Kindern ankommen. Bewusst wurde uns aber auch immer wieder, wie viel noch getan werden muss, um die Situation der Aids-Waisen wirklich nachhaltig zu verbessern.