Gesellschaft

Bevölkerung

Über 90 Prozent der Bevölkerung von Swasiland gehören dem Bantuvolk der Swasi an. Ferner leben dort Sotho, Zulu, Tsonga, Weiße und Coloureds (Mischlinge). Schätzungsweise 66 Prozent der Bewohner Swasilands sind (vor allem protestantische) Christen. Die restliche Bevölkerung gehört indigenen Religionen an.

In Swaziland herrscht Polygamie. Ein Mann muss 14 Kühe für eine Ehefrau bezahlen. Sie bekommt dann ein eigenes Haus, in dem nur sie und die direkten Nachfolgen leben dürfen. Sind die Kinder volljährig, müssen sie das Haus verlassen. Es darf niemand anderes in diesen Häusern leben, so dass es auch zahlreiche verlassene Homesteds gibt. Für weitere Frauen müssen ebenfalls eigene Häuser errichtet werden.

Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 %. Insbesondere Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren haben keine Arbeit Ein Polizist verdient ca. € 2.000,-, ein Landarbeiter € 30,- pro Monat. Die meisten Menschen leben von weniger als 1 € pro Tag.

Die größten Städte

Satdt Einwohner (2005) Distrikt
Manzini 110.537 Manzini
Mbabane 76.218 Hhohho
Big Bend 10.342 Lubombo
Malkerns 9.724 Manzini
Nhlangano 9.016 Shiselweni

Politik

Swasiland ist eine absolute Monarchie im Rahmen des Commonwealths, in der der König eine dominierende Rolle in der Politik einnimmt. Das Staatsoberhaupt bestimmt die Exekutive und die Legislative. Als Verkörperung des Staates wird es zum Beispiel mitsamt Familienangehörigen auf Münzen und Briefmarken abgebildet.

Seit 1973 sind politische Parteien verboten. Es existieren jedoch einige oppositionelle Gruppen, zum Beispiel die Vereinigte Demokratische Volksbewegung (PUDEMO). Das Parlament ist eher ein Pseudoparlament, da ca. 60 % der Mitglieder vom König gewählt werden bzw. aus der Königsfamilie Dlamini stammt.

Gewerkschaften sind verboten.

Menschenrechte

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sieht die Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit in Swasiland auch 2009 als nach wie vor unterdrückt an. Sicherheitsgesetze werden laut dem Jahresbericht von 2010 dazu benutzt, die Rechte der Menschen zu verletzen. Die Polizei wandte exzessive Gewalt gegen friedliche Protestteilnehmer an. Auch gab es Berichte über Folter und den ungerechtfertigten Einsatz von Gewalt mit Todesfolge durch Polizeikräfte.

Fast 70 % der Bevölkerung von Swasiland lebten 2009 in Armut, mehr als ein Viertel benötigte Nahrungshilfe. Frauen und Mädchen litten weiterhin überdurchschnittlich stark unter sexueller Gewalt, Armut und der grassierenden HIV-Pandemie. Laut UNICEF ist Swasiland das Land mit der höchsten Aidsrate weltweit. Das Kinderhilfswerk schätzt die Zahl der Aidswaisen auf ca. 100.000.

Die Rechte der Frau sind gesellschaftlich in vielen Bereichen sehr stark beschnitten. Beispielsweise lehnen Banken weiterhin Kreditanträge von Frauen ab, wenn diese keinen männlichen Bürgen nennen können. Gesellschaftliche Diskriminierung von sowohl ethnischen als auch sexuellen Minderheiten sind nach wie vor weit verbreitet.

Homosexualität unter Männern wird explizit kriminalisiert und als Straftat mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft. Eine Neuregelung wird angestrebt, die das Strafmaß auf mindestens zwei Jahre erhöhen soll.

Wirtschaft

Swasiland gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung lebt von weniger als einem Euro pro Tag. Etwa 200.000 Menschen (was etwa einem Fünftel der Gesamtbevölkerung entspricht) waren 2005 auf Lebensmittelhilfe internationaler Organisationen angewiesen.

60 % der Bevölkerung betreiben Subsistenzwirtschaft, das heißt, sie produzieren nur für sich und ihre Familien und nicht für den Verkauf auf dem Markt oder den Export. Zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnissen gehören Zuckerrohr (2 Zuckerrohrplantagen), Baumwolle, Mais, Tabak, Reis, Zitrusfrüchte, Hirse und Erdnüsse. Außerdem werden Rinder, Schafe und Ziegen gezüchtet. Die Bedeutung des Bergbaus ist zurückgegangen, da seit 1978 die hochwertigen Eisenerzvorkommen erschöpft sind. Außerdem ist die Nachfrage nach dem gesundheits-schädlichen Asbest weltweit zurückgegangen. Die einst längste Materialseilbahn der Welt, die Asbest von Bulembu über die Grenze nach Barberton (Südafrika) beförderte, musste daher 2002 stillgelegt werden. Es werden heute nur noch Diamanten, Steinkohle und Kaolin gefördert.

Die Wirtschaft ist sehr stark von Südafrika abhängig. 90 Prozent der Importe stammen aus Südafrika, und etwa die Hälfte aller Exporte gehen nach Südafrika. Swasiland ist Mitglied der Southern African Customs Union (SACU) (Swasiland, Lesotho, Namibia, Republik Südafrika und Botswana), deren Verrechnungseinheiten faktisch auch eine Währungsunion bedingen. Die durchschnittliche Inflationsrate 2009 betrug 7,6 %.

Swasiland ist das Afrika-Hauptquartier von Coca-Cola. Der Konzern war in den 1980er Jahren wegen Südafrikas Apartheid-Politik von dort ins Nachbarland umgezogen. Nach Schätzungen beträgt der Anteil am Bruttoinlandsprodukt Swasilands rund 40 Prozent. In der „Conco Swaziland“-Fabrik wird das Cola-Konzentrat für fast ganz Afrika hergestellt. Es gibt auch Textilindustrie, wird überwiegend von Taiwanern und Chinesen betrieben. Bringen eigene Leute mit, die hier arbeiten, und die Swazis schlecht behandeln.

Währung

Die Landeswährung ist Lilangeni (Plural Emalangeni). Üblich ist aber auch der Südafrikanische Rand. Die Umrechnung ist 1:1.

Bildung

Obwohl keine Schulpflicht besteht und der Schulbesuch kostenpflichtig ist, besucht ein hoher Anteil der Kinder die Primary Schools, die bis zur 7. Klasse führen. Gleichzeitig arbeiten rund 12 Prozent der 5–14-Jährigen (Stand 2001). Der Anteil der Kinder, die eine weiterführende Schule (High School) besuchen, ist deutlich geringer. Analphabeten sind deutlich in der Minderheit. Swasiland hat seit 1973 eine Universität, die University of Swaziland. Sie hat ihren Hauptsitz in Kwaluseni; einige Fakultäten befinden sich in Luyengo und Mbabane.

Gesundheit

Die Rate der HIV-Infizierten von Swasiland ist die höchste der Welt. Im Jahr 2004 litten 39 % der Bevölkerung an dem Erreger der Immunschwächekrankheit, 2005 waren es bereits 42 %, um Alte und Kinder bereinigt rund 63 % - Tendenz steigend. Daher ist ein Zusammenbruch der Bevölkerungsstruktur von Swasiland in den kommenden Jahren wahrscheinlich. Swasiland hat mit 31,7 (männlich) und 32,3 (weiblich) Jahren die niedrigste Lebenserwartung der Welt (Stand 2009). Die Bevölkerung ist von 2008 bis 2009 um 0,46 % geschrumpft. Trotz der Fortschritte, die das Land gemacht hat, ist die Gesundheitsversorgung noch immer rudimentär. 74 % der Geburten werden medizinisch betreut. Die Säuglingssterblichkeit beträgt 85 pro 1.000 Geburten, die Müttersterblichkeit 390 pro 100.000 Geburten. 48 % der verheirateten Frauen haben Zugang zu Verhütungsmitteln.