Reisebericht Swasiland Nov. 2013

09.11. – 17.11.2013

Teilnehmer: Dr. Magdalene Budach + Ernst Engel

10.11.2013
Ankunft in Swasiland. Abends trafen wir T. + G. Vriend zum Dinner, um das geplante Global Grant-Projekt zwischen einem deutschen Rotary Club und dessen Partner Club aus Slowakei einerseits und dem Rotary Club Mbabane zu besprechen. Es geht dabei um die Anschaffung eines zweiten Ambulanzfahrzeuges für MobiDiK. T. signalisierte Interesse und versprach zu versuchen, für die folgenden Tage ein weiteres Treffen mit dem amtierenden Präsidenten des RC Mbabane zu organisieren.

11.11.2013
Wegen der durch Regen verursachten schwierigen Fahrbedingungen hatte Z. die Kinder und Verantwortlichen vom nahe gelegenen Gasa NCP zum Kamabuza NCP bestellt. Dort waren dann zwei Teams im Einsatz:

  • MobiDiK-Team mit A. D. (Nurse and Medical Coordinator) und N. Z. (Nurse Assistant)
  • C. M. und G. M. (Councelers vom Kooperationspartner NATICC) Councelers sind speziell für das Testen trainierte Hilfskräfte.

Auffallend waren der gut organisierte Arbeitsablauf und das gute Verhältnis der vier Damen untereinander. Zunächst erklärte A. D. den Anwesenden in einem Kurzvortrag die Notwenigkeit des Testens auf HIV und beantwortete Fragen. Anschließend wurde mit der Arbeit in folgender Reihenfolge begonnen: N. Z.: Entgegennahme der Health Card (Vaxination Card?) – Wiegen der Kinder (Personenwaage bzw. Babys mit einer Hängewaage. Dafür sind inzwischen an der Decke befestigte Haltevorrichtungen angebracht worden) – Verabreichen einer Kapsel gefüllt mit einer Flüssigkeit (Vitamine A + E) und einer Tablette bestehend aus 400 mg Albendazole. Kapsel und Tablette wurden ohne Wasser, also trocken, geschluckt. A. D.: Kontrolle der „Child Health Card“ und Übertragen von Daten in ein spezielles Register des Ministry of Health (=Swaziland Child Immunization Plus Tally Sheets) – ggfls. Impfen – ggfls. Verordnung von Medikamenten, die dann von Nokwanda Z. ausgegeben wurden. Zuvor wurde von Fall zu Fall Dr. M. B. hinzugezogen. NATICC-Team: Im Nebenraum, der als Lager für Lebensmittel dient, wurden die Tests auf HIV durchgeführt. Dazu wurde vom Finger ein Tropfen Blut auf einen Teststreifen gegeben und mit einem Tropfen Reagenz/Puffer versetzt (= Farbtest). Bei positivem Test erfolgte unmittelbar danach ein Bestätigungstest. Es werden generell erst Kinder an einem Alter von 18 Monaten getestet. An Lebensmitteln lagerten in dem kleinen Raum einige Säcke mit folgender Aufschrift: WFP - Gift of Swaziland
- 25 kg Maize Meal (einige Säcke)
- 10 kg Corn Soya Blend, Fortified Food
- 50 kg Small Red Beans
Km – Stand IZUZU-Ambulanzfahrzeug am 11.11.2013: 98906 km

12.11.2013
Kalamlalati NCP und Makhonza NCP
An diesem Tag begleiteten wir das MobiDiK- Team und das NATICC-Team zu ihrem Einsatz im Kalamlalati NCP und im Makhonza NCP.
Insgesamt wurden am 11. + 12.11. 162 Kinder und Erwachsene getestet. N. Z., „Teacher“ im Kalamlalati NCP, gab uns u. a. folgende Informationen: Die Wassermenge aus der Zisterne ist nur für 3 Wochen ausreichend. Deshalb kann oft nicht gekocht werden, obwohl genügend Lebensmittel (siehe Kamabuza NCP) vorhanden sind. Man kauft dann Wasser im Dorf (5 l für 20 Emalangeni) oder holt es aus dem etwa 5 km entfernten Fluss. Von dort kommt auch das gekaufte Wasser, das also auch nicht sauber ist.
Wegen der Wassersituation ist kein Gemüseanbau am NCP möglich. Um dem Maisbrei und dem Brei aus Corn / Soja etwas Geschmack zu verleihen, wünscht man sich Zucker und Salz. Für das lange Kochen der Bohnen fehlt es lt. N. am nötigen Holz.
Z. bezweifelte N.´s Angaben, besonders im Hinblick auf „Reichweite“ der Wassermenge aus der Zisterne. Bezogen auf die Bohnen meinte er, dass man diese vor dem Kochen in Wasser einweichen müsse, um die Kochdauer zu verringern. Zum Zeitpunkt unseres Besuches regnete es fast täglich und die Zisterne war entsprechend gut gefüllt.
Viele Haushalte um den NCP sind, so N., sehr arm und oft ohne Eltern bzw. Großeltern. Es fehle an Kleidung. Auch für kaltes Wetter habe man nur T-Shirts.

13.11.2013
Besuch bei NATICC – Gespräch mit S. M.
Wichtigstes Ergebnis war die Zusage von NATICC, auch in 2014 die Kooperation fortzusetzen.
Beide Seiten sind mit der Zusammenarbeit zufrieden. Es werden durch die Transportmöglichkeiten, die gesamte Infrastruktur und die Akzeptanz von HiH SZ in der Bevölkerung Gegenden erreicht, in die NATICC zuvor nie kam. Diese Möglichkeiten haben andere NGO´s, mit denen man kooperiert, lt. S. nicht zu bieten. NATICC sorgt auch für die Behandlung sowie das follow up und bietet angeblich eine bessere Medikation als die Clinics. Normalerweise stellt die Regierung alle Medikamente, auch zur Aids-Therapie, zur Verfügung. Damit ist sie Situation besser als in Südafrika, so S. Diese Themen müssen wir beim nächsten Besuch unbedingt vertiefen.

Besuch bei MSF – Gespräch mit K. K., Field Coordinator Nhlangano K. kommt aus den Niederlanden und ist erst seit Kurzem in Nlangano. Sie ist absolut damit einverstanden, dass wir Informationen austauschen und Aktionen abstimmen müssen. Weil man über ein Testing Team verfügt, bot uns K. auch diesbezügliche Unterstützung an. Sie erkannte sofort, dass unser Vorteil im mehr oder weniger regelmäßigen Kontakt zu den NCP´s besteht und hält es ebenfalls für sehr sinnvoll, wenn über MobiDiK HIV-Medikamente ausgegeben werden. MSF ist bereit, unsere Krankenschwestern entsprechend zu schulen, Dauer 1 Woche. Wenn wir uns darauf einlassen, müssen wir verlässlich 1-mal pro Monat an den NCP´s sein. Das ist nur mit einem verstärkten MobiDiK-Team möglich.

Lt. Kim hat Shiselweni 208.000 Einwohner, davon 79.000 Kinder.

Meeting mit MobiDiK-Team
A. macht ihr Job für MobiDiK, besonders die Arbeit mit Kindern, sehr viel Spaß. Da sie jetzt Vollzeit arbeitet, wurde ihr Gehalt rückwirkend ab 10/2013 auf E x.000,-- pro Monat angehoben.
Zulu möchte wegen der seiner Meinung nach hohen Fluktuation in Zukunft keine Krankenschwestern aus Simbabwe beschäftigen. Andererseits seien einheimische Krankenschwestern schwierig zu bekommen, weil sie eine Anstellung beim Staat bevorzugen: Gehalt mind. E x.500,-- pro Monat, bezahlte Überstunden, Pension, „lunch out“ von E 25,-- bis E 35,-- pro Tag.
Im weiteren Gespräch stellt sich aber heraus, dass auch die einheimische junge Generation zum „Jobhopping“ neigt. Kriterium Nr. 1 sei die Bezahlung.
Das MobiDiK-Team soll mit Uniformen ausgestattet werden. Außerdem wünscht sich A. Diaries mit Aufdruck HiH SZ – TES – MobiDiK.
Ferner soll versucht werden, in Zukunft mehr Medikamente kostenlos von der Regierung zu erhalten. Zudem ist angedacht, die medizinische Betreuung durch MobiDiK auch auf Erwachsene aus den Communities, die allerdings zu den NCP`s kommen müssen, auszudehnen.
Magdalene betonte erneut, dass die Überweisungsformulare benutzt werden sollen, auch der Abschnitt „Rückmeldung der Clinic“.
Nach wie vor mangele es noch an der nötigen Koordination und Kommunikation zwischen den NGO´s. Lt. Zulu ist es beispielsweise vorgekommen, dass MSF an HiH-NCP`s getestet hat, ohne HiH zu informieren.

Jericho high school – Projekt „Ministadion“
Es hatten sich zwei Teams zu einem Fußballspiel eingefunden. Schulleiter und Verantwortliche der Gemeinde(n) stehen weiterhin hinter dem Projekt.
Es wurde vereinbart, für den 22.02.2014 eine Kick Off–Veranstaltung mit einem Fußballturnier zu veranstalten, Preisgeld insgesamt E 5.000,--. Danach soll unverzüglich mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die finanziellen Mittel sollen je nach Baufortschritt von der THOMAS ENGEL-Stiftung zur Verfügung gestellt werden. Diese wird sich das Geld, lt. Z. immer noch € 40.000,-- plus Eigenleistungen, zunächst über ein Darlehen besorgen. Die Fertigstellung des Ministadions ist für 08/2014 vorgesehen.

14.11.2013
Dixies International Ltd., Matsapha
Hier bestellten wir mündlich je 600 T-Shirts in blau und gelb für die für die Caregivers.

Besuch im HiH-Büro in Mbabane
Mit B. N. sprachen wir über die Buchhaltung und machten ein kurzes Audit. B. ist sehr kompetent, konnte alle gestellten Fragen sofort beantworten und fand auch ohne langes Suchen die dazu passenden, sehr ordentlich abgelegten Belege. In der EDV scheinen die Buchungen auch auf dem neuesten Stand zu sein. S. W. ist Monitoring and Evaluation Officer und ebenfalls außerordentlich kompetent. Zu ihren Aufgaben gehört es, dem Gesundheitsministerium und dem Bildungsministerium zu berichten. Dazu sind entsprechende Richtlinien zu befolgen, und zwar: National Plan of Action und Quality Service Standarts. Mit letzterem soll u. a. sicher gestellt werden, dass jedes Kind eine Health Card hat. Bei Verlust können neue Karten in den Clinics geholt oder auch von HiH besorgt werden. Zum Thema M & E sollen zweimal pro Jahr mit 1-2 Caregivers pro NCP 2-tägige Workshops stattfinden, die es tatsächlich aber nur einmal im Jahr gibt. Das ist lt. W. aber kein großes Problem. Nach ihren Angaben sind die NCP´s jetzt für alle Kinder offen, um nicht den Eindruck der Ausgrenzung von Waisenkindern bzw. Nicht-Waisenkindern entstehen zu lassen.
S. W. ist lt. B. N. mit ihrer Bezahlung unzufrieden. Sie schlug vor, das Gehalt um 2- mal E x00,-- pro Monat zu erhöhen, und zwar für housing und für lunch out. Beide Beträge können steuerfrei gezahlt werden. Ich werde das Thema per Mail mit Z. „besprechen“.

Board Meeting im HiH-Büro
Daran nahmen neben Z., B. N. (Protokoll) und Dr. M. B. und E. E. als Gäste noch I. B., A. T. und verspätet R. M. teil. Agenda mit Notizen + Visitenkarten der Board Members als Anlage zu diesem Bericht.

Treffen mit D. V. W.
D. ist der frühere „Chef“ von NERCHA. Er war es, der Z. zu HiH SZ vermittelte. Das Gespräch mit ihm war sehr informativ. Nachfolgend einige der erhaltenen Infos: 85% der Krankheiten, die man in SZ antrifft, können von Krankenschwestern diagnostiziert und behandelt werden.
D. V. W. empfahl, dass wir uns an den NCP´s auch um die Erwachsenen und Alten kümmern.
Er hält die NCP´s generell als Anlaufpunkt für sehr geeignet.
Das Nahrungsdefizit der Kinder in SZ könnte mit E 300 pro Monat und Kind behoben werden.
Die Organisation „W. V.“ lehrt den Leuten mit der Armut zu leben anstatt in beizubringen, diese zu mindern bzw. zu beheben.
Community Schools: Lehrer werden von der Regierung bezahlt. Leider werden diese Gelder aber oftmals veruntreut.
Preschools: Die von der Organisation „U.“ empfohlene Ausbildung hält Derick für ungeeignet. Die „School in the box“ sei zu schwierig. Es müsste viel mehr Wert auf Stoff gelegt werden, den normalerweise Mütter den Kindern vermitteln. Trinkwasser: D. bestätigte, dass es in SZ ein ausgeprägtes Trinkwasserproblem gibt. Manchmal benötigen Frauen 6 Stunden am Tag, um Wasser heranzuschaffen. Bezogen auf die HiH-NCP`s schlug er als schnelle Teillösung vor, mit dem MobiDiK-Fahrzeug bei jedem Besuch Wasser von der Farm mitzubringen und in die Zisternen zu füllen, z. B. 10 mal 20 Liter in Kanistern. Bei 10 Besuchen pro Jahr wären das pro NCP 2.000 zusätzliche Liter Trinkwasser.

Meeting mit Mitgliedern des Rotary Clubs Mbabane
Wir überreichten offiziell das Schreiben des Rotaray Cubs St. Goarshausen-Loreley und erhielten die mündliche Zusage für die Unterstützung des Global Grant-Projektes (=Ambu­lanzfahrzeug). Allerdings sprach man sich mit Nachdruck gegen ein Fahrzeug „Made in China“ aus.

15.11.2013
NCP´s für Partnerschaftsprojekt
Wir besuchten die NCP´s Davis und Mantongomane und übergaben dort die Bilderbücher und Briefe von Kirsten Boie. Fakt ist, dass wir dort inzwischen eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt haben. Deshalb müssen wir beim nächsten Besuch konkret werden.
Im Davis-NCP wünscht man sich Fußbälle.
Davis NCP: 44 Kinder – 26 Mädchen – 18 Jungen
Mantongomane NCP: 32 Kinder + 11 Care Givers

Besuch eine todkranken Mannes in seiner abgelegenen, verfallenen Homestead
Dieser Besuch ging „sehr unter die Haut“. Der Mann wurde austherapiert aus einem staatlichen Hospital, wohin in Z. gebracht hatte, entlassen. Er lebt zusammen mit seinem etwa 16 Jahre alten, mongoloiden Sohn in einer baufälligen Rundhütte. Ein in der Nähe wohnender Bruder, der lt. Magdalene auch krank ist, kümmert sich etwas um die beiden. Der todkranke Mann wartet ohne jede medizinische Versorgung auf seinen Tod. Das ist lt. Z. kein Einzelfall. Fakt ist aber, dass wir die Dienste von MobiDiK nicht so ausbauen können, um in solchen Fällen zu helfen.

Abschlussbesprechung mit dem MobiDiK-Team
Im Wesentlichen wurden die Themen vom 13.11.2013 wiederholt. Außerdem beschlossen wir, MobiDiK in Zukunft auf zwei Teams auszubauen. Deshalb sollen zwei Krankenschwestern und eine Assistentin gesucht werden. Z. meinte, das sei kein Problem, wenn man eine marktgerechte Bezahlung anbiete. Er wollte die Suche sofort per Zeitungsanzeige in Angriff nehmen.